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Podcast: Faible für Fontane

In diesem Schuljahr hat der 9. Jahrgang im Fach Deutsch den Roman „Irrungen, Wirrungen“ von Theodor Fontane gelesen. Neben „Effi Briest“ zählt dieser Roman zu einem der bedeutendsten Werke Fontanes. 

»Irrungen, Wirrungen« aus dem Jahr 1887 handelt von der Liebe zwischen dem Adeligen Baron Botho von Rienäcker und der Schneidergesellin Magdalene Nimptsch, die aufgrund des Standesunterschiedes der beiden keine Erfüllung finden kann. Die strengen Konventionen der Gesellschaft zwingen das Paar sich trotz ehrlicher, großer Liebe zu trennen. Die Handlung spielt in Berlin gegen Ende des 19. Jahrhunderts. 

Fontane gehörte der literarischen Epoche des Bürgerlichen Realismus an. Das besondere Merkmal dieser Literaturepoche ist die realistische Abbildung der Wirklichkeit in der Literatur. Besonders das für das Auge Sehbare wird genau wiedergegeben und dieses wirkt sich auf die sprachliche Gestaltung seiner Romane aus. 

Zur genauen Beschreibung gehört, dass  Adverbien und Adjektive in dem Roman oft zum Einsatz kommen, um das Sichtbare sprachlich genau zu schildern. Ebenso sind eingeklammerte Ergänzungen in den Sätzen, die häufig genauere Details enthalten, vielfach zu finden. 

Fontane verwendete die gepflegte Gesellschaftssprache des 19. Jahrhunderts, die für die Schülerinnen und Schülern zunächst ungewohnt, anspruchsvoll und schwer verständlich war. Dennoch zeigte sich im Laufe der Lektüre, dass sowohl der Inhalt des Romans als auch dessen Sprache eine gewisse Neugier und Faszination bei ihnen hervorgerufen hat.  

Die szenische Umsetzung eines Teils der Handlung hat den Schülerinnen Ida Hecking, Mia Seyer und Isabell Suhajdova aus der Klasse 9.6 im Unterricht so viel Spaß gemacht, dass sie die Idee hatten, diese Szene als Podcast aufzunehmen. 

Die aufgenommene Szene stammt aus dem vierten Kapitel. Botho ist nach einem Besuch in seinem „Club“ bereits etwas angeheitert zu Besuch bei Lene im Hause Nimptsch. Dort parodiert er in geselliger Runde mit den Nachbarn, den Dörrs, eine typische, aber auch recht oberflächliche Konversation seines Standes. 

Ich bedanke mich hiermit ganz herzlich bei Ida, Mia und Isabell für ihr Engagement! Fontane hat die drei sprachlich so inspiriert, sodass wir versuchen, Fontanes blumige und anspruchsvolle Sprache hin und wieder in unsere Konversation aufzunehmen (Ihr wisst, was ich meine J). Das ist wohl auch eine nachhaltige Form des Unterrichts.  

Viele Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs waren von „Irrungen, Wirrungen“ begeistert. Fontane ist und bleibt eben absolut lesenswert!  

(Botho von Rienäcker: Ida Hecking; Lene Nimptsch: Isabell Suhajdova, Frau Dörr: Mia Seyer) 

Sabine Schulz