Im Februar 2017 stürzte ich mich in das Abenteuer Gesamtschule, in einen doch recht unbekannten Kosmos, in die erste Planstelle als Lehrer. Mein Ankommen war damals herrlich, denn es war nach einem Tag direkt Karneval, den ich als Kölner kenne, aber an der BvA das erste mal als Lehrer erleben durfte, war ich doch in Bielefeld im Referendariat gewesen.
Die darauffolgenden 9 Jahre waren tatsächlich ein Abenteuer. Einige Facetten habe ich genossen. Da denke ich an erster Stelle an nette, immer hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen und in der Regel auch sehr nette Lernende.
Die Coronapandemiebedingungen waren ein schwieriges Abenteuer bei der täglichen Arbeit und ihre Auswirkungen merken wir bis heute. Zeitgleich mit Corona begann parallel eine privates, neues fantastisches Abenteuer los. Mein Sohn Luca wurde geboren.
An der BvA lernte ich ebenfalls neue Dinge, die ich zuvor für unmöglich hielt. Matheunterricht mit Herrn Nieweg jenseits von Klasse 6, sogar in Klasse 10, klang witzig und war es teilweise auch wirklich sehr. Learning by doing.
Die Betreuung von 3 Jahrgängen auf sonderpädagogischer Ebene, die gleichzeitige Bearbeitung von 2 oder 3 AOSF Gutachten oder deren Verfassen auf Aktengrundlage, das heißt, ohne SchülerInnen in der ersten Coronazeit zu sehen, stellte hingegen eine riesige Herausforderung dar, die Verbitterung und Traurigkeit auslöste, weil ich in der Schule nicht mehr das Gefühl hatte etwas bewegen zu können, weder positiv noch negativ. Ich war einfach kaum da, obwohl ich doch mit voller Stelle da war.
Im diesen 9 Jahren lernte ich neben vielen tollen Menschen in der BvA zudem jeden Quadratmillimeter der Leverkusenerbrücke kennen sowie viele freundliche BahnmitarbeiterInnen, die einem jedoch auch nicht sagen konnten, warum der Zug heute nur bis Langenfeld oder gar nicht fährt. Ich kaufte mir ein Rennrad, um wieder fitter zu werden und damit zur Arbeit zu fahren. 3-4 mal im Jahr klappte das sogar, einen langfristigen Effekt hatte es leider nicht. Nicht mein Sport.
Das größte Abenteuer war für mich die Umsetzung der Inklusion. Als großer Verfechter und echter Fan gestartet, wechselten die Verantwortlichen im Bildungsministerium und mit ihnen die parteipolitische grundlegende Herangehensweise zur Umsetzung eben dieser Inklusion. Nicht immer fand ich das gut. Für mich ist sie nach dem Hin und Her der letzten Jahre und einer teils eher kostenorientierten Herangehensweise von politischer Seite weiterhin vor allem eins: ein werteorientierter Ausdruck eines Menschenrechts. Unsere Umsetzung in Deutschland widerspricht bis heute geltendem UN-Recht. Ich bin trotzdem Fan.
Ein Fan bin ich auch von unserem Schulleiter Andreas Bruhn und unserer Inklusionskoordinatorin Claudia Albert, auch wenn die beiden meinen Versetzungsantrag sechsmal ablehnten. Sie leisten unglaubliche Arbeit, die oft gar nicht sichtbar ist. Besonders danken möchte ich dem Inklusionsteam, ganz besonders Silke Langner und Brigitte Boersch, die mich damals zu Beginn super einarbeiteten und bei denen ich stets Hilfe in persönlich schwierigen Phasen und in fachlicher Einschätzung fand.
Ich wünsche euch, Lehrkräften wie Lernenenden, viel Erfolg bei der Umsetzung eurer Ziele und der Bewerkstelligung der großen wie kleinen Abenteuer, die der Kosmos BvA bereithält. Ab August findet ihr mich an der Ernst-Simons-Gesamtschule in Köln.
Marius Nieweg