Vom Aufsichtsrat ins Klassenzimmer – Besuch von Prof. Dr. Lehner

Nach einem Botschafter, zwei Verbandspräsidenten und drei Ministern darf die Bettine-von-Arnim-Gesamtschule am heutigen Donnerstag den ehemaligen Henkel-Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden mehrerer deutscher Dax-Unternehmen, Prof. Dr. Ulrich Lehner, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bettine trifft…“ empfangen. „Wahnsinn, was der alles schon gemacht hat.“, staunt Till Wirtz, Schüler des Leistungskurses Sozialwissenschaften des Abiturjahrgangs, schon während der Vorbereitung auf die Diskussion. Gemeinsam mit seinen Mitschüler*innen und LK-Lehrer Ole Schreckling wurde ein umfangreicher Fragenkatalog für die Veranstaltung zusammengetragen.

Nun steht der ehemalige Präsident der IHK Düsseldorf im Smalltalk mit den beiden Moderatoren Lea Wollschläger und Felix Schimmel scherzend und liebevoll gestikulierend vor den sich schnell ruhig werdenden und gut gefüllten Sitzreihen aus interessierten Oberstufenschülern verschiedener Jahrgänge im Schülercafé der Schule. Nach einer schmeichelnden Vorstellung durch das Moderatorenduo wendet sich Herr Lehner bewusst ohne Mikrofon an das gespannte Publikum und steigt sofort thematisch ein. Wie wird man eigentlich Aufsichtsratsvorsitzender? Und was macht man da den ganzen Tag? „Skaleneffekte“, „monolithisch“, „Entrepreneurship“ – wer den umfangreichen und sprachlich anspruchsvollen Ausführungen des Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom folgen möchte, muss konzentriert zuhören. En passant erklärt Herr Lehner in einem kleinen Exkurs in die Welt der Musik, in welcher der passionierte Hobbybassist ebenfalls zu Hause ist, noch woher der Begriff Digitalisierung eigentlich komme. Dabei scherzt und neckt er die Jugendlichen, die ihm gebannt und sichtlich beeindruckt zuhören.

Souverän lenkt der mittlerweile routinierte Felix Schimmel die Debatte auf die Frauenquote in Aufsichtsräten deutscher Dax-Unternehmen. Mit einem klaren „Ja“ plädiert der Professor für mehr Frauen in Führungspositionen. Sein Credo lautet, mehr weibliche Kompetenz würde die Arbeit in deutschen Aufsichtsräten verändern – zum Guten! Bestes Beispiel dafür sei die Deutsche Telekom, die sich schon seit mehreren Jahren für mehr Frauen in Führungsebenen einsetze. Auch Europa ist Thema an diesem Vormittag. Den Brexit betrauere Herr Lehner zutiefst. Er sei der Ansicht, dass England immer schon zur EU gehört habe und auch in Zukunft dazu gehören solle. Die Bedeutung einer starken und geschlossenen EU weiß der ehemalige Geschäftsführer von Henkel Hong Kong mit den zunehmenden Herausforderungen durch die USA unter Präsident Donald Trump auf der einen sowie durch das wirtschaftlich wie politisch aufstrebende China anhand eigener Erfahrungen in Fernost zu begründen.

Abschließend richtet sich Herr Lehner direkt an das Publikum und motiviert die Jugendlichen, sich mit der wachsenden Supermacht China auseinanderzusetzen, wobei er als Vorbild voranschreitet, indem er trotz seines Alters, in welchem sich andere schon längst zur Ruhe gesetzt haben, sein Chinesisch regelmäßig aufbessere. Mit einem lauten und langanhaltenden Applaus endet die Veranstaltung mit einem außergewöhnlichen Gast, welcher selbst nach über einer Stunde Diskussion noch lange in der Schule verbleibt und offen gebliebene Fragen freundlich, geduldig und umfangreich beantwortet.

Pia Sieker und Ole Schreckling